Hitlers Machtergreifung
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Bearbeite nun die interaktiven Aufgaben.
Hitlers Machtergreifung
Von der Ernennung zum Reichskanzler bis zum Tod Hindenburgs · 1933–1934
Was du für die MSA-Prüfung wissen musst
Die Machtergreifung Hitlers bezeichnet den Prozess, durch den die NSDAP zwischen Januar 1933 und August 1934 die demokratische Weimarer Republik in eine nationalsozialistische Diktatur umwandelte. Es war kein einmaliges Ereignis, sondern eine schrittweise Ausschaltung aller demokratischen Institutionen.
- Verstehe die Chronologie der Ereignisse und deren logischen Zusammenhang
- Erkenne, wie jeder Schritt auf dem vorherigen aufbaute
- Lerne die wichtigsten Gesetze und Verordnungen mit Datum
- Analysiere, wer Verantwortung trug – auch jenseits von Hitler selbst
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(Bundesarchiv)
Hintergründe der Ernennung
Am 30. Januar 1933 ernannte Reichspräsident Paul von Hindenburg Adolf Hitler zum Reichskanzler. Dies geschah trotz Hindenburgs persönlicher Abneigung gegenüber Hitler.
- Die NSDAP war nach den Wahlen vom November 1932 die größte Partei im Reichstag (33,1 %)
- Konservative Politiker (Papen, Hugenberg) glaubten, Hitler „einrahmen“ und benutzen zu können
- Die Weimarer Republik war durch Weltwirtschaftskrise, Massenarbeitslosigkeit und politische Instabilität geschwächt
- Hitler war nur einer von wenigen NSDAP-Ministern im anfangs noch bürgerlichen Kabinett
Warum ließ Hindenburg Hitler ernennen?
- Druck konservativer Kreise: Franz von Papen und andere Rechtskonservative drängten Hindenburg, Hitler zu ernennen
- Kalkül der Konservativen: Sie wollten Hitler als Kanzler nutzen, ihn aber durch konservative Minister kontrollieren – ein fataler Irrtum
- Massenarbeitslosigkeit: 6 Millionen Arbeitslose erzeugten politischen Druck – man erhoffte sich Stabilisierung
- Scheitern demokratischer Koalitionen: Kein anderes Regierungsbündnis fand eine stabile Mehrheit
(Papen glaubte, Hitler kontrollieren zu können – er irrte sich grundlegend)
Bedeutung für die Geschichte
Die Ernennung erfolgte auf legalem Weg – Hitler wurde nicht durch einen Putsch Kanzler. Dies war entscheidend: Er nutzte die Legalität als Deckmantel, um die Demokratie von innen zu zerstören. Der 30. Januar 1933 gilt als Beginn des „Dritten Reiches“.
Aufgaben – Reichskanzler
27. Februar 1933
Der Brand in der Nacht
In der Nacht vom 27. auf den 28. Februar 1933 brannte der Reichstag in Berlin. Als Täter wurde der niederländische Kommunist Marinus van der Lubbe verhaftet und gestand die Brandstiftung.
- Die Nazis nutzten den Brand sofort als angeblichen Beweis für eine kommunistische Verschwörung
- Ob van der Lubbe allein handelte oder die Nazis den Brand selbst legten, ist bis heute historisch umstritten
- Hitler und Göring nutzten den Vorfall, um Notstandsrecht} zu rechtfertigen
Reichstagsbrandverordnung – 28. Februar 1933
Noch am nächsten Tag unterzeichnete Hindenburg die „Verordnung zum Schutz von Volk und Staat“, auch Reichstagsbrandverordnung genannt. Sie setzte entscheidende Grundrechte der Weimarer Verfassung außer Kraft:
- Aufhebung der Meinungs-, Presse- und Versammlungsfreiheit
- Aufhebung des Briefgeheimnisses
- Erlaubnis zur Schutzhaft ohne richterliche Anordnung (Grundlage für Konzentrationslager)
- Ermöglichte Verhaftungswelle gegen Kommunisten, Sozialdemokraten und andere Oppositionelle
Bedeutung der Verordnung
Die Reichstagsbrandverordnung blieb bis 1945 in Kraft. Sie war das juristische Fundament des NS-Terrors: Verhaftungen, Folter, Konzentrationslager – all das war nun formal „legal“. Der Brand gab Hitler den Vorwand, den er brauchte.
Aufgaben – Reichstagsbrand
Die letzte freie Reichstagswahl
Kurz nach der Ernennung ließ Hitler den Reichstag auflösen und Neuwahlen für den 5. März 1933 ansetzen. Dies sollte der NSDAP eine parlamentarische Mehrheit verschaffen. Es war die letzte halbwegs freie Wahl bis 1949.
- Wahlkampf unter massivem Terror: SA und SS schüchterten Gegner ein, Versammlungen anderer Parteien wurden gestört
- Die Reichstagsbrandverordnung (4 Tage vorher) ermöglichte die Verhaftung von KPD-Funktionären
- Göring als preußischer Innenminister setzte 50.000 SA/SS-Männer als Hilfspolizisten ein
- Trotz Terror: NSDAP erhielt nur 43,9 % – keine eigene Zweidrittelmehrheit
Ergebnis der Wahl vom 5. März 1933
| Partei | Stimmen % | Anmerkung |
|---|---|---|
| NSDAP | 43,9 % | Größte Partei, aber keine Mehrheit |
| SPD | 18,3 % | Trotz Terror zweitstärkste Kraft |
| KPD | 12,3 % | Mandate nicht anerkannt (Verordnung) |
| Zentrum | 11,2 % | Stimmte später für Ermächtigungsgesetz |
| DNVP (Papen) | 8,0 % | Koalitionspartner der NSDAP |
Mit DNVP-Stimmen: 51,9 % – noch immer keine Zweidrittelmehrheit → Ermächtigungsgesetz notwendig
Aufgaben – Neuwahlen
Was ist das Ermächtigungsgesetz?
Das „Gesetz zur Behebung der Not von Volk und Reich“ vom 23. März 1933 ist eines der entscheidendsten Dokumente der deutschen Geschichte. Es übertrug die gesetzgebende Gewalt vom Reichstag auf die Reichsregierung unter Hitler für vier Jahre.
- Regierung durfte Gesetze ohne Zustimmung des Reichstags erlassen
- Gesetze durften von der Verfassung abweichen
- Damit war die parlamentarische Demokratie der Weimarer Republik faktisch beseitigt
- Für die Verabschiedung war eine Zweidrittelmehrheit des Reichstags nötig
23. März 1933
Abstimmung unter Einschüchterung
Die Abstimmung fand in der Kroll-Oper (der Reichstag war noch beschädigt) unter massivem Druck statt. SA und SS umstellten das Gebäude.
- Ja-Stimmen: 444 (NSDAP, Zentrum, DVP, DNVP, BVP)
- Nein-Stimmen: 94 – ausschließlich die SPD
- KPD-Abgeordnete waren verhaftet oder geflohen
- SPD-Vorsitzender Otto Wels hielt eine mutige Rede gegen das Gesetz
Aufgaben – Ermächtigungsgesetz
Schritt für Schritt zur Alleinherrschaft
Nach dem Ermächtigungsgesetz begann die Gleichschaltung aller gesellschaftlichen Bereiche. Die übrigen Parteien wurden schrittweise verboten oder lösten sich selbst auf.
| Datum | Ereignis |
|---|---|
| April 1933 | SPD-Büros werden gestürmt, Vermögen beschlagnahmt |
| 2. Mai 1933 | Gewerkschaften werden zwangsaufgelöst → Deutsche Arbeitsfront (DAF) |
| 22. Juni 1933 | SPD offiziell verboten |
| 27. Juni 1933 | DNVP löst sich auf |
| 4. Juli 1933 | Zentrum löst sich auf |
| 14. Juli 1933 | Gesetz gegen die Neubildung von Parteien → NSDAP einzige legale Partei |
Gleichschaltung der Gesellschaft
- Medien: Gleichschaltung der Presse, Rundfunk unter staatlicher Kontrolle (Goebbels)
- Kultur: Reichskulturkammer – nur NS-konforme Künstler durften arbeiten
- Bildung: NS-Lehrerbund, Hitler-Jugend, BDM
- Justiz: Volksgerichtshof – politische Justiz nach NS-Ideologie
Aufgaben – Einparteienstaat
Die SA und ihr Anführer Ernst Röhm
Die SA (Sturmabteilung) war Hitlers paramilitärische Kampftruppe gewesen – entscheidend beim Aufstieg der NSDAP. Ihr Anführer Ernst Röhm forderte eine „zweite Revolution“ und wollte die SA zur echten Volksarmee machen – auf Kosten der Reichswehr.
- Röhm hatte die SA auf über 3 Millionen Mitglieder aufgebaut
- Er forderte, dass die SA die Reichswehr ersetzen solle
- Dies bedrohte Hitlers Bündnis mit dem Militär (wichtig für Hindenburgs Nachfolge)
- Auch konservative Gegner Hitlers (Papen-Mitarbeiter) standen auf der Abschussliste
Die „Nacht der langen Messer“
In der Nacht vom 30. Juni auf den 1. Juli 1934 ließ Hitler die SA-Führung und weitere politische Gegner ermorden. Insgesamt wurden mindestens 85 Personen getötet – historiker schätzen bis zu mehrere Hundert.
- Ernst Röhm wurde verhaftet und am 1. Juli 1934 erschossen
- Auch konservative Kritiker wie Kurt von Schleicher (ehemaliger Reichskanzler) wurden ermordet
- Durchgeführt von der SS (Schutzstaffel) unter Heinrich Himmler
- Hitler behauptete nachträglich, er habe einen Putschversuch Röhms verhindert – historisch nicht belegt
Folgen und Bedeutung
- Die SS wurde zur dominanten Machtstruktur im NS-Staat
- Die Reichswehr akzeptierte die Morde – Hitler hatte bewiesen, er schützt ihr Monopol
- Das Regime führte eine „legale“ Rechtfertigung nach: ein Gesetz erklärte die Morde rückwirkend für rechtmäßig
- Hitlers Machtstellung war nun nahezu unangreifbar – weg war die innerparteiliche Opposition
Aufgaben – Röhm-Putsch
Das Ende des letzten Gegengewichts
Reichspräsident Paul von Hindenburg starb am 2. August 1934 im Alter von 86 Jahren. Er war die letzte Institution, die theoretisch noch als Korrektiv gegen Hitler hätte wirken können. Mit seinem Tod fiel dieses letzte formale Hindernis.
- Noch am selben Tag verabschiedete die Reichsregierung das „Gesetz über das Staatsoberhaupt des Deutschen Reiches“
- Es vereinte das Amt des Reichspräsidenten mit dem des Reichskanzlers in Hitlers Person
- Hitler nannte sich fortan „Führer und Reichskanzler“
- Das Gesetz wurde später in einem Volksbegehren nachträglich bestätigt (89,9 % Ja-Stimmen – unter propagandistischem Druck)
Der Führereid der Wehrmacht
Entscheidend war, dass die Wehrmacht unmittelbar nach Hindenburgs Tod einen neuen Eid auf Hitler persönlich ablegte – nicht auf die Verfassung oder das Vaterland.
- Dieser Eid band die Soldaten persönlich an Hitler – nicht an Staat oder Volk
- Er machte Widerstand zu einem persönlichen Verrat
- Er erklärt, warum militärischer Widerstand gegen Hitler so selten blieb
Abschluss der Machtergreifung
Mit dem Tod Hindenburgs war die Machtergreifung vollständig abgeschlossen. Hitler hatte in nur 18 Monaten (Januar 1933 – August 1934) die Weimarer Demokratie in eine totale Diktatur verwandelt – größtenteils auf formalem Wege.